Räbafäger sind «Europameister»

Die Guggenmusik Räbafäger stand am 22. Eurocarneval in Salzburg zuoberst auf dem Podest. Der Gugger-Wettkampf ist in Europa das, was das Tivoli für die Schweiz bedeutet. Die Räbafäger sind sozusagen Europameister.

ALTSTÄTTEN/SALZBURG. Was in den Neunzigerjahren den Altstätter Städtlichlepfern am Tivoli gelungen war, haben die Altstätter Räbafäger nun sogar am Eurocarneval geschafft. Den Sieg errangen sie unter der musikalischen Leitung von Mario Söldi. Er tritt somit ganz in die Fussstapfen von Vater Silvio, mit dem die Städtlichlepfer früher so erfolgreich waren. Silvio Söldi gewann am Tivoli in Spreitenbach den goldenen Dirigentenstab. Den gibt es am Eurocarneval (der jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt durchgeführt wird) zwar nicht, aber für Räbafäger-Präsident Mathias Kehl ist klar, dass sein Guggerkollege Mario Söldi auf dem Weg zum Sieg eine wichtige Rolle spielte.

Motto «räbis khan»

Nach Salzburg war die Guggenmusik Räbafäger, wie sie nun schreibt, losgezogen, um die Welt zu erobern – getreu dem Motto «räbis khan», das natürlich auf Dschingis Khan anspielt.

Wie dereinst der erfolgreichste Feldherr der Weltgeschichte, wollten sich auch die Räbis nicht mit halben Sachen zufriedengeben, sie suchten aber den Weg zum Erfolg nicht mit Waffen und Gewalt, sondern eroberten stattdessen Herzen und Fans der drittgrössten Stadt Österreichs mit ihrem Sound und ihrer überschäumenden Begeisterung.

Marathon-Spieler

Am Eurocarneval haben sich ausser Schweizer Formationen wie immer auch Guggen aus Deutschland, Italien, Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein gemessen. Selbstverständlich sei man nicht wegen des Wettkampfs hierher gereist, sagt Räbafäger-Präsident Mathias Kehl. «Wir waren zum Spielen nach Salzburg gefahren und natürlich bereits in bestechender Form, als wir vor die Jury traten.» Tatsächlich sind die Räbafäger als Marathon-Spieler bekannt. Sie besuchen vor allem Anlässe, bei denen sie so viele Auftritte wie möglich zugesprochen erhalten. «Am Eurocarneval ist es ideal für uns», sagt der Präsident. Es gebe pro Tag einen Umzug und die Bühne gehöre mindestens viermal uns. Daneben spiele man praktisch im Stundenrhythmus, freiwillig natürlich, «es wäre ja eine Sünde gewesen, all die freundlichen Leute und die wunderschönen Gassen nicht zu unterhalten», sagt Mathias Kehl, noch immer sehr euphorisiert vom grossen Erfolg.

Mozarts Geist

Salzburg ist ja die Geburtsstadt von Wolfgang Amadeus Mozart und deshalb prädestiniert für klassische, ruhige Musik. Dass die Bewohner aber auch ein Musikgehör haben für die laute Fasnachtsmusik, merkten die über 1000 Guggenmusiker aus halb Europa schnell. Bei jedem Konzert standen sofort ein paar Dutzend Zuhörer zusammen, und wenn die Gugger ein bisschen Ausdauer bewiesen, waren schnell ein paar hundert Begeisterungsfähige versammelt. In Salzburg wurde schon zu Mozarts Zeiten Mummenschanz getrieben, wie die «Salzburger Zeitung» berichtet. Vor dem Geburtshaus Mozarts an der berühmten Getreidegasse 9 könnten somit der Geist des Musikers und die perfekte Akustik der schönen Altstadt dazu beigetragen haben, dass die Räbafäger mit ihrem Herzblut und ihren kreativ arrangierten Songs mächtig punkten konnten und der Jury ein paar ganz schöne Prädikate entlockten.

«Unglaubliche Power»

Die Jury erwähnte die «unglaubliche Power» und bemerkte bei der Laudatio, dass jede Guggerin und jeder Gugger 50 Prozent mehr gegeben habe als die meisten.

Lobend erwähnt wurden der präzise Rhythmus (weniger ist mehr) und die Tatsache, dass oft dreistimmig gespielt wurde bei Trompete und Posaune. Hauptentscheidend gegen die grosse Konkurrenz aus der Fasnachtshochburg Luzern und dem Ländle waren aber die spontanen und begeisternden Auftritte in der Freitagnacht und der Tambourmajor Mario Söldi, der «mit seiner Art das Publikum wie kein anderer in seinen Bann ziehen kann und viel Freude ausstrahlt», sagte der Chef der Eurocarneval-Jury nach der Siegerehrung.

Erfolg kam nicht von selbst

Hinter diesem Erfolg stehen mehr als 70 Stunden Proben, zehn Stunden fürs Nähen der Kostüme und unzählige Stunden der Planung und Vorbereitung, pro Person versteht sich. «Gerade für unsere junge Generation, die in den letzten zwei Jahren dazu gestossen ist und unseren Geist sehr gut weiterträgt, ist dieser Europameistertitel eine riesige Motivation, während er für die älteren Mitglieder wohl eher die Belohnung für die letzten über 20 Jahre ist,» sagt Mathias Kehl.

«Hier im Rheintal sind sich die Leute gar nicht so bewusst, auf welch hohem Niveau all die Guggen spielen. Sobald wir ins Ausland gehen, werden unsere Schultern grün und blau geklopft vor lauter Begeisterung. Das tut gut!», antwortet ein anderes Mitglied der Räbafäger auf die Frage, warum man überhaupt den langen Weg auf sich genommen habe.

Ob die Räbis den Titel verteidigen wollen nächstes Jahr, ist noch nicht entschieden. «Das hängt vom Ort ab. Die Stadt muss schön, relativ nah und neu für uns sein. Nach Reisen nach Prag, Mainz und Salzburg wäre mal eine südlich gelegene Destination interessant. Wenn wir gehen, wollen wir aber sicher wieder Eindruck machen bei der Jury,» sagt Mathias Kehl augenzwinkernd.

Quelle: Der Rheintaler

Guggemusig Räbafäger
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